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Tihar

In diesem Blogeintrag soll es um das zweite große Fest gehen. Das Fest heißt Tihar und dauert 5 Tage lang. Es ist auch als Lichterfest bekannt, weil fast jedes Haus mit bunt blinkenden Lichterketten geschmückt ist. An jedem Tag wird etwas Anderes gefeiert. Am ersten Tag sind es Raben und Krähen, am zweiten Tag Hunde (unsere beiden Haushunde wurden mit Tikka und Blumenkette geschmückt und durften ausnahmsweise nicht geschlagen werden) und am dritten Tag feiert man am Morgen Kühe und am Abend die Göttin Lakshmi. Darauf folgt die Ehrung der Ochsen am vierten Tag und am fünften Tag, Bhai Tika genannt, ehrt die Schwester den Bruder. Der erste Tag wurde im Kinderheim noch nicht so wirklich gefeiert, aber früh am Morgen hängten die älteren Kinder schon um das gesamte Haus herum Lichterketten auf. Auch am zweiten Tag passierte noch nicht besonders viel, aber am Abend kam eine Gruppe von traditionell gekleideten Frauen mit einer Musikanlage in den Hof des Kinderheims und forderte uns alle auf mit ihnen zusammen zu tanzen. Das Tanzen hat uns unglaublich viel Spaß bereitet, weil so richtige Festtimmung aufkam und alle ausgelassen gefeiert haben. Es war schön, dass wirklich jeder dabei war und man hatte tatsächlich das Gefühl, mitten im nepalesischen Leben und ein Teil der Kultur zu sein. Nachdem die Frauen vom Heimleiter Geld bekommen hatten, zogen sie weiter von Haus zu Haus. Dies ist eine nepalesische Tradition, die wir am nächsten Tag mit den großen Jungs erleben durften. Wir zogen mit ihnen von Haus zu Haus, sangen Lieder und tanzten. Jedes Mal wurde in einem speziellen Lied um Geld gebeten, damit Lakshmi das Haus segnet. Um zehn Uhr abends, nachdem wir fünf Stunden ohne Pause und ohne Essen unterwegs gewesen waren, haben wir Praktikanten entschieden früher nach Hause zu gehen. Die Jungs trieben das Spiel noch bis zwei Uhr nachts weiter und standen am nächsten Tag trotzdem wieder um 5 Uhr auf. Von dem gesammelten Geld wurden für alle Kinder und Praktikanten die typisch nepalesischen Momos (ähnlich wie Maultaschen) selbst gemacht. Eine weitere Besonderheit des dritten Tages war das bunte Mandala, das die Mädchen im Hof aus Blumen und Farben gestalteten. Am fünften Tag, dem Hauptfesttag, bereiteten wir morgens für jedes Kind einen kleinen Teller vor, auf dem Nüsse, Bananen und Äpfel lagen. Diese Teller wurden übergeben, nachdem einem die Tikka vom Bruder oder von der Schwester auf die Stirn gemalt wurde. Eigentlich erhält nur der Bruder die Segnung, doch im Kinderheim bekam jeder eine Tikka und einen Teller. Außerdem nennt man in Nepal jeden seinen Bruder und seine Schwester, weswegen jeder Junge jedem Mädchen und anders herum eine Tikka aufmalen durfte. Am Nachmittag fand das von den Kindern lang ersehnte Programm statt, wofür wir sowie Musik- und Tanzlehrer mit den Kindern wochenlang Tänze, Gesangseinlagen und Theaterstücke einstudiert hatten. Es wurde extra eine große Bühne aufgebaut und um die 200 Leute wie Nachbarn, Lehrer und Ellens Reisegruppe eingeladen. Das Programm startete typisch nepalesisch eine Stunde zu spät, zog sich über 4 Stunden und war recht chaotisch, aber es war trotzdem abwechslungsreich und die Kinder hatten viel Spaß. Am Abend wurden sowohl die Zuschauer als auch die Kinder mit einem tollen Buffet belohnt, wofür extra ein Catering Service engagiert wurde. Tihar überraschte uns sehr positiv, weil wir durch das eher unspektakuläre Dashain weniger Feststimmung erwartet hatten. Wir haben uns sehr darüber gefreut, die beiden größten Feste der nepalesischen Kultur hautnah miterleben zu dürfen.

Wer noch genaueres lesen will, darf gerne Mal den Blog unseres „Dauerpraktikantens“ Ben (er bleibt hier für zwei Jahre um Nepali zu lernen) besuchen: http://www.nepal-freak.de/2016/11/06/tihar/